Vortrag über José Enrique Rodó

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Am 13. November 2017 hielt Prof. Ottmar Ette im Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin anlässlich des 100. Todestages von José Enrique Rodó einen hervorragenden Vortrag über das Werk dieses uruguayischen Schriftstellers und Denkers. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Kulturprogramms der uruguayischen Botschaft statt.

Ottmar Ette, Autor der bisher einzigen Übersetzung von Rodós „Ariel“ ins Deutsche, ist Romanist und Komparatist und seit 1995 Professor für Romanische Literaturen und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Potsdam. 1990 promovierte er an der Universität Freiburg i. Br. mit einer Arbeit über José Martí. Von 1987 bis 1995 arbeitete er als Dozent an der Katholischen Universität Eichstätt, wo er sich 1995 mit einer Schrift über Roland Barthes habilitierte. Ette war mehrfach Gastdozent in verschiedenen Ländern Lateinamerikas, Europas sowie in den USA und hat vor kurzem auf Einladung der Sociedad Rodoniana Montevideo besucht.

Prof. Ette ist seit 2010 Mitglied der Academia Europaea, seit 2012 Chevalier dans l'Ordre des Palmes Académiques (Frankreich), seit 2013 Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie seit 2014 Honorary Member der Modern Language Association of America.

Sein brillanter Vortrag über Rodós Werk konzentrierte sich vor allem auf „Motivos de Proteo“. Mit großem Kenntnisreichtum wurden nicht nur die darin enthaltenen Aussagen über die Entwicklung und den notwendigen Wandel des Menschen und der Gesellschaften behandelt, sondern auch die Inspiration, die auf Rodó zurückging und andere zeitgenössische Denker sowohl in Lateinamerika als auch in Europa beeinflusst hat.

Der Auffassung von Prof. Ette zufolge geht Rodó vom „Amerikanischen“ aus und nähert sich von diesem Standpunkt aus dem „Universellen“. Es ist dies ein Ansatz, der es ablehnt, sich auf das Regionale, Besondere und Typische reduzieren zu lassen.

Andererseits unterstrich er die ursprünglich auf Rodó zurückgehende Vorstellung einer Überwindung des Begriffs des „Anderen“ als einem Ausschließenden, wonach der „Andere“ als „Feind“ aufgefasst und behandelt wird.

Er betonte außerdem Rodós Rolle als Protagonisten einer neuen Art zu schreiben, die für die Zeitgenossen noch wie eine Provokation wirken musste und verglich diese mit dem von Diskontinuität und Wechsel geprägten Stil Nietzsches sowie dem des Wissenschaftlers Alexander von Humboldt.

Vor dem Vortrag richteten Botschafter Gabriel Bellón und die Direktorin des IAI, Barbara Göbel, einige einleitende Worte an die Anwesenden.

Nach dem Vortrag wurden mehrere Exemplare des Ariel und der Motivos de Proteo für die Bibliothek des Instituts übergeben.