DIE ZUKUNFT SÜDAMERIKAS LIEGT AN DEN FLÜSSEN

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Die Binnenschifffahrt ist für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum der Länder Südamerikas bereits jetzt unerlässlich. Welchen Beitrag kann Deutschland zur Entwicklung der Binnenhäfen in der Region leisten?

Neben den berühmten südamerikanischen Seehäfen wie Río de Janeiro, Buenos Aires oder Valparaíso gibt es noch die Binnenhäfen der Region, deren Bedeutung ständig zunimmt. In Deutschland mit seinen über 120 Binnenhäfen hat der Flusstransport eine lange Tradition.

Vor allem der Rhein, der längste Fluss des Landes, hat dessen wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung mitgeprägt. Was lässt sich von den rheinischen Binnenhäfen lernen? Könnten sie zum Vorbild für Lateinamerika werden?

Auf dem 6. Forum „Latino-Hub Rheinland“ diskutierten deutsche und lateinamerikanische Experten am vergangenen Donnerstag (01.12.2016) das Modell der rheinischen Häfen und unterstrichen dabei das Potential der Binnenschifffahrt in ihren jeweiligen Ländern.

Namhafte Persönlichkeiten nahmen an der Podiumsdiskussion teil: Horacio Aarón Saavedra, Generalkonsul Mexikos in Frankfurt am Main, Alberto Guani, Botschafter von Uruguay in Deutschland, Die Generalkonsulin von Argentinien in Deutschland, Magdalena von Beckh Widmanstetter, und die Botschafterin von Kolumbien, María Lorena Gutiérrez Botero, trafen sich am Sitz der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in Köln.

Zugang zum Meer für Bolivien?

So hat Argentinien zum Beispiel 118 Häfen, von denen 93 an Flüssen liegen. Im Interview mit DW hob die argentinische Konsulin ein Projekt zur Verbindung des Hafens von Nueva Palmira in Uruguay mit dem von Cáceres in Brasilien hervor. „Die Realisierung dieses Projekts würde sogar zur Folge haben, dass Bolivien auf dem Flusswege einen Zugang zum Meer erhält“, meinte die Diplomatin. Fünf Länder – Argentinien, Bolivien, Brasilien, Uruguay und Paraguay – arbeiten zusammen an der Verwirklichung des Projekts „Hidrovía Paraguay – Paraná“. Magdalena von Beckh Widmanstetter verglich das Vorhaben mit dem der Verbindung von Rhein und Donau auf dem Alten Kontinent: „Die Länder Europas haben sich miteinander geeinigt und die Schifffahrt funktioniert. Das ist es, was wir wollen“. Sie verwies zudem auf den ökologischen Aspekt der Binnenschifffahrt.

Die Botschafterin von Kolumbien in Deutschland berichtete, dass man in den letzten fünf Jahren große Beträge in die Infrastruktur des südamerikanischen Landes investiert hat, und zwar insbesondere in die Straßen, die zu den verschiedenen Häfen führen. Dies wird zu einer merklichen Senkung der Transportkosten führen, denn zurzeit ist es teurer, Waren innerhalb Kolumbien zu transportieren als nach Europa oder Asien. Die Flüsse Magdalena, Orinoco und Amazonas verfügen über ein großes Potential für die Entwicklung der Binnenhäfen. Gutiérrez Botero unterstrich vor allem die Vorteile des Atrato-Flusses im Nordwesten Kolumbiens, der den Pazifik ohne einen Kanal mit dem Atlantik verbindet.

Eingangstor zum Mercosur

„Wir sind das Eingangstor zum Mercosur“, sagte der uruguayische Botschafter im Gespräch mit DW, wobei er unterstrich, wie wichtig für Nachbarländer wie Bolivien und Paraguay der Zugang zum Meer sei, den sie über sein Land erhalten können. Alberto Guani erläuterte, dass Uruguay auch auf die Nutzung bestimmter Stellen an den Flüssen für den Schiffstourismus setzt und dafür eine Reihe von Binnenhäfen geschaffen hat.

Wenngleich die meisten Flüsse in Mexiko nicht schiffbar sind, betonte der Generalkonsul Mexikos in Deutschland, Horacio Aarón Saavedra, doch die Bedeutung des Coatzacoalcos-Flusses, der die gleichnamige Erdölregion am Golf von Mexiko mit Juchitán, dem Zentrum der Windenergie am Pazifik, verbindet. Nach den Worten des Diplomaten könnte dieser Korridor sich zu einem „trockenen Kanal zwischen den Ozeanen entwickeln, der parallel zum Kanal von Panama verläuft und die beiden wichtigsten Energiecluster Mexikos“ miteinander verknüpft.

Deutsche Investitionen

Das deutsche Unternehmen Imperial Shipping Holding mit Sitz in Duisburg investiert seit vier Jahren in Paraguay, wo sich ein Flusshafen im Bau befindet. Sein Finanzdirektor Jens Kleiner hob hervor, dass das Wirtschaftswachstum in Südamerika ganz eindeutig auf eine verbesserte Logistik für den Transport von Rohstoffen, Lebensmitteln und Containern angewiesen ist.

Nach Kleiner können die Länder der Region von der deutschen Erfahrung und vor allem von den technologischen Kenntnissen profitieren.

Von Viola Traeder, Deutsche Welle, 01.12.2016