VOR 150 JAHREN ENTSTAND DAS ERSTE URUGUAYISCHE BIER

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Die uruguayische Brauereiindustrie begeht einen besonderen Jahrestag. Aus diesem Anlass plant die Firma FNC S.A. eine Reihe von Veranstaltungen.

Vor nunmehr 150 Jahren gründete der deutsche Unternehmer und Philanthrop Konrad Niding im Stadtteil Palermo von Montevideo die Cervecería Popular. In deren Namen kam bereits zum Ausdruck, dass seine Fabrik, damals die modernste in ganz Südamerika, große Menschenmengen ansprach.

Niding stammte aus Hamburg und war 1866, nach dem Großen Krieg zwischen Paraguay auf der einen Seite und Brasilien, Argentinien und Uruguay auf der anderen ins Land gekommen. Er betrachtete die Bierbrauerei als Geschäft, aber eben auch als ein von seinen Vorfahren überkommenes Kulturgut. Daher widmete er sich als innovativer Mensch ganz der Entwicklung des Brauereiwesens in Uruguay und beteiligte sich dabei an zahlreichen Fabriken und Unternehmungen. Seine beachtliche Leistung für diese Industrie hat dazu geführt, dass er heute als Stammvater der Fábricas Nacionales de Cerveza (Nationale Bierfabriken – FNC) gilt.

Die ersten Brauereien in Uruguay verwendeten ein manuelles, noch sehr unzulängliches Herstellungsverfahren, mit dem man selbst die geringe Nachfrage im vom Großen Krieg verwüsteten Montevideo nur notdürftig befriedigen konnte. Dabei entstanden kleine, von deutschen, schweizerischen, französischen und englischen Einwanderern geführte Lokale, die Bier von sehr schlichter Qualität anboten.

Das war das Umfeld, in dem Niding seine Cervecería Popular in der Durazno-Straße eröffnete, die erste, die für eine industrielle und massenhafte Produktion angelegt war. Einige Jahre danach zog die Brauerei in die Yatay-Straße um, an der Grenze zwischen den Stadtvierteln Goes und Aguada. In dieser Fabrik erzeugte Niding sein Bier mit Dampf, ähnlich wie die deutschen, belgischen oder englischen Biere, und er stellte täglich 2.400 Kilogramm Eis zur Abkühlung des Produktes her. Das Gebäude selbst ist zu einem Wahrzeichen geworden, in dem Jahrzehnte später der „Bierpalast“ entstehen sollte, ein Ort des Konsums und der Freizeit, der zusammen mit dem „Parque Múnich“ – nach dem Zweiten Weltkrieg in „Parque Oriental“ umbenannt – das mit Gruppenbildung, Familien und Entspannung in Zusammenhang gebrachte Bild festigen sollte, mit dem man dieses Getränk während des gesamten 20. Jahrhunderts assoziierte.

Nachdem er 1895 die Cervecería Popular verkauft hatte, gründete Niding die Cervecería Montevideana, die dann mit der Popular und der Germania zu einem neuen Unternehmen fusionierte, nämlich der Cervecería Uruguaya, die den Markt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts versorgen sollte. Der Prozess der Neueröffnungen und Zusammenlegungen dauerte zu Beginn des Jahrhunderts noch an, bis 1932 zur Bewältigung der Wall-Street-Krise aus der Fusion der Brauereien „Cervecerías del Uruguay“ und „Cervecería Oriental” die „Fábricas Nacionales de Cerveza” hervorgingen.

Diese blieben die größte Brauerei im Lande, bis ab 1937 neue Unternehmen im Landesinneren entstanden. Die Compañía Salus eröffnete ihre eigene Brauerei im Berggebiet von Minas; ihre Hauptmarke war das Patricia-Bier. Und 1947 entstand die Cervecería y Maltería [Brauerei und Mälzerei] Paysandú, und mit ihr die beliebte Marke Norteña. Der Wettbewerb zwischen diesen drei Brauereien prägte die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bis sich die heutige FNC S.A. bildete.

Gegenwart

Heute ist aus dem Traum des Konrad Niding eines der größten Unternehmen des Landes geworden. Die FNC verfügt über zwei Werke, eines in Montevideo und das andere in Minas, sowie über ein Vertriebsnetz, das sich über das ganze Land erstreckt. 150 Jahre Erfahrung und ständiger Erwerb neuer Kenntnisse in Fragen der Produktion, des Verkaufs und des Versands haben sie zum führenden Bierhersteller gemacht.

Was ist von jenem Abenteuer, das Konrad Niding einst begonnen hatte, heute noch vorhanden? Für Gonzalo Fagioli, den Generalmanager der FNC, zeichnet sich seine Firma trotz ihrer inzwischen erfolgten Expansion immer noch durch einen unternehmerischen Impuls aus, der sie von anderen unterscheidet. Deshalb, sagt er, ist dieser Jahrestag ein Grund zum Feiern, aber auch zum Nachdenken über die künftigen Schritte, die notwendig sind, um den bisherigen Weg fortzusetzen.

Die FNC ist eines der wenigen Unternehmen, die für den Massenkonsum produzieren und über eigene Produktions- und Industriestandorte im Lande verfügen, dabei zeichnet sie sich durch erhebliche Investitionen in Technik und Ausbildung aus. Heute beschäftigt die Firma 650 Menschen unmittelbar, und wenn man die ausgelagerten Arbeitsplätze sowie die Beschäftigten des Vertriebs- und Transportnetzes hinzuzählt, sind es nahezu 2.000.

Aber ihr Beitrag hat nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Dimension. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier liegt in Uruguay bei 30 Litern im Jahr, ein bescheidener Wert, wenn man ihn mit den Zahlen aus anderen Ländern der Region vergleicht. Dennoch ist Bier Teil der nationalen Identität und eng verknüpft mit den Vorstellungen von Frohsinn und Feiern. Bei vielen Gelegenheiten, vom Sportereignis bis zum Treffen mit Freunden, ist dieses Getränk als Teil unserer spezifischen Mentalität immer dabei.

Gabriela Cibils, Marketingmanagerin von FNC, erzählt uns, dass aufgrund dieses Jahrestages jede Biermarke eine Reihe von Veranstaltungen initiiert hat. „Pilsen“ wird Feiern im ganzen Land durchführen, und zwar in Form der „Pilsen Beer Days“, die dem “Oktoberfest” ähneln sollen. „Patricia“ hat sich mit der historischen Bar Fénix zusammengetan und wird zwei Monate lang eine Reihe von kulturellen Aktivitäten durchführen. Und „Zillertal“ lädt die Kunden ein, sich künstlerisch zu betätigen und sich dabei von der Marke und historischen Kunstströmungen inspirieren zu lassen.

FNC hat auch acht berühmte Marken der Vergangenheit ausgewählt, von denen jetzt eine begrenzte Menge produziert wird, nach Rezepten und mit Flaschenetiketten, die denen der ursprünglichen Produkte gleichen. So können die Uruguayer dann wieder solche Biere wie Doble Uruguaya, Múnich, La Popular, Oriental, Malta Montevideana, Prinz, Serrana und Pilsen Bock genießen.

Aber die größte Feier findet am 5. November statt, wenn das nach der großen Gründerfigur benannte „Conrado Bierfest“ steigt. Für diesen Anlass wird der Festplatz Rural del Prado wie ein traditionelles Brauereidorf hergerichtet, und es wird dort musikalische Shows und kulturelle Angebote für jeden Geschmack geben.

Feierlichkeiten am Tag des Kulturerbes

Die Fábricas Nacionales de Cerveza nutzen auch die Gelegenheit, die ihnen der Tag des Kulturerbes bietet, indem sie zur Feier ihres Jahrstages heute eine Veranstaltung in ihrem in der Straße Entre Ríos gelegenen Werk durchführen.

Von 11 bis 17 Uhr können Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind, sich dem Probieren von Biermarken, “Foodtrucks” und der Musik der Band „Croupier Funk“ zuwenden und bei dieser Gelegenheit das Biermuseum kennenlernen, das eigens zum Tag des Kulturerbes öffnet.

Das Museum zeigt auf rund 100 Quadratmetern die Produktion und den Vertrieb sowie die Entwicklung der Marken von FNC im Verlauf von 150 Jahren. Der Besucher kann sich dort recht ausgefallene Gegenstände aus der Welt der Biere ansehen, von denen einige so alt sind wie die uruguayische Bierherstellung selbst, unter anderem „Porrones“, also Glas- bzw. Tonbehälter mit einer Einfüllöffnung oben und einem trichterförmigen Trinkrohr an der Seite, Flaschen, Werkzeuge, Maschinen, Laborgeräte und dazu Fotos und Plakate der Marken, die die Geschichte des Bierbrauens geprägt haben.