DUALE AUSBILDUNG - BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG (BIBB) BESUCH EINER DELEGATION DER UTU IN BONN

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
01/14 
start stop bwd fwd

Vom 16. bis zum 20. November 2015 besuchte eine Delegation der „Uruguayischen Universität der Arbeit“ (UTU) Bonn, um sich über das deutsche System der dualen Ausbildung zu informieren.

Der Besuch wurde unterstützt von der Organisation Iberoamerikanischer Staaten für Bildung, Wissenschaft und Kultur (OEI). Zweck dieser Organisation ist die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Lateinamerika auf dem Wege der Zusammenarbeit, und sie setzt die Unterstützung für eine bessere Bildung als eines ihrer Mittel ein.

Mitglieder der uruguayischen Delegation waren:

- Miguel Venturiello, Vorstandsmitglied der UTU

- Gabriela López, Beraterin der Generaldirektion des Rats für Technische Berufsbildung (CETP) und der UTU

- Laura Da Luz, Leiterin der Abteilung Alphabetisierung in der Arbeitswelt

- Nicolás Cristina, Mitglied der Abteilung für Weiterbildung und Wissensakkreditierung

- Pablo Ledesma, Leiter der Sektion Photovoltaik

Die Delegation besichtigte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), das die Tätigkeit von Berufsverbänden, Unternehmen und technischen Schulen im Rahmen der dualen Ausbildung koordiniert und das seine Unterstützung angeboten hatte.

Ebenso besuchte die Delegation Ausbildungsstätten und den Senior Experten Service (SES), der Beratung durch deutsche Fachkräfte im Ruhestand anbietet, die deutschen oder ausländischen Unternehmen ihre Kenntnisse zur Verfügung stellen können. Dabei zahlt der SES die Reisekosten und die Versicherung, während die ihre Dienste anfordernde Organisation die Kosten von Unterkunft, Verpflegung, Wäscheservice, Nahverkehr vor Ort und eine Beihilfe in Höhe von 12 Dollar täglich übernimmt.

In Uruguay haben im Jahr 2015 das Rundfunk- und Kulturinstitut SODRE, der Club Danubio, das Photovoltaik-Unternehmen Latam und ein Produzent von Eukalyptusholz die Dienste des SES in Anspruch genommen.

Den Besuchern wurde auch das Programm Vera zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen vorgestellt, das jedes Jahr 12.000 jungen Menschen, die die Ausbildung verlassen, einen ehrenamtlichen Tutor zur Seite stellt, der sie individuell betreut, wenn sie dies wünschen, und zwar mit der Häufigkeit, die der zu Betreuende für nötig hält, um seine Krise zu überwinden und in das Ausbildungssystem zurückzukehren.

Die Delegationsmitglieder äußerten ihre Zufriedenheit über dem Besuch. Sie räumten ein, dass die gesehenen Verfahren leichter in einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland umgesetzt werden können. Zur Möglichkeit einer schriftlichen Vereinbarung mit dem BiBB kündigten sie an, sie würden diese Option der Präsidentin von CETP-UTU, Ing. María Nilsa Pérez vorlegen.

Die duale Ausbildung ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Sie beinhaltet, dass der Auszubildende 70 Prozent seiner Lehre in einem Betrieb verbringt und die restlichen 30 Prozent in einer Berufsschule.

Der Lehrling muss einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen schließen und sich dann für eine Berufsschule entscheiden, in der er seine Ausbildung vervollständigt. Er erhält eine Vergütung, die nach der geltenden Regelung ein bestimmtes Maß nicht unterschreiten darf, dabei aber niedriger ist als das Gehalt eines Angestellten. Die Aufteilung der zeitlichen Anteile kann so erfolgen, dass der Lehrling drei Arbeitstage im Unternehmen verbringt und zwei bei der theoretischen Ausbildung in der Schule, oder es können Blöcke von drei Monaten am Arbeitsplatz und zweien in der Schule gebildet werden, je nachdem, um welchen Beruf es sich handelt.

Die 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland bringen die Unternehmen mit Bedarf an Lehrlingen mit den jungen Leuten zusammen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Am Schluss der Ausbildung werden deren Kenntnisse geprüft und es wird ein Zeugnis ausgestellt. Die Prüfer sind ehrenamtlich arbeitende Personen, die die Schüler vorher nicht kennen.

Die Ausbildung nimmt ein bis dreieinhalb Jahre in Anspruch. In dieser Zeit können die Kammern, in denen große und mittlere Betriebe organisiert sind, einmal eine Inspektion durchführen. Die Kammer der kleinen Unternehmen äußerte dazu, es sei ihr nicht möglich, 58.000 Unternehmer zu kontrollieren, aber im Falle eines Konfliktes zwischen den Vertragspartnern trete sie vermittelnd auf.

Während die Industrie- und Handelskammern offen zugeben, dass sie die Unternehmer mit dem Argument zur Einstellung von Lehrlingen animieren, diese seien billiger als Angestellte, gibt es auch Unternehmen wie beispielsweise SGL Carbon oder Lucas Nuelle, die ihre eigenen Lehrlinge ausbilden; sie setzen auf Engagement und Unterstützung, um dem Lehrling bei der Überwindung beruflicher oder persönlicher Grenzen zu helfen. Die gefühlsmäßige Bindung zwischen den angestammten Arbeitskräften und den Neulingen ist bei Unternehmen mit dieser Einstellung entscheidend für den Erfolg des ganzen Systems.