DES 190 NATIONALFEIERTAGES IN BERLIN

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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

glücklicherweise können wir sagen, dass unsere Freundschaft mit Deutschland herzliche und fest ist. Unsere bilaterale Beziehung wirkt sich auf vielen Gebieten aus und erstreckt sich auf die meisten Handlungsfelder, die für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne einer Grünen Wirtschaft und der Bioökonomie wichtig sind.

Wir erleben gerade den besten Moment einer Beziehung zu dem Land, das für Uruguay Deutschland eine gute Freunde in Europa ist, und mit dem zusammen wir im kommenden Jahr 160 Geburtstagskerzen ausblasen werden, um den gemeinsam zurückgelegten Weg zu feiern.

Der Aufbau dieser soliden Beziehung begann früh, mit der Gründung der ersten Deutschen Schule Südamerikas in Montevideo im Jahr 1857, zunächst als konfessionelle Schule und dann, im Einklang mit dem in Uruguay bis heute herrschenden Laizismus, ohne diese Einschränkung.

Der große deutsche Erfinder Dr. Justus Liebig machte mit Kapital aus Belgien die stürmisch wachsende Produktion von Corned Beef und Fleischextrakt möglich, aufgrund derer in Uruguay an einem Ort namens Fray Bentos die damals größte Lebensmittelfabrik der Welt entstand. Vor kurzem hat die 39. Welterbekonferenz der UNESCO in Bonn diese kultur- und Industrielandschaft in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen, was uns natürlich sehr gefreut hat. Und wir möchten diese Gelegenheit auch benutzen, um Deutschland für die Organisation der Konferenz und für seine Gastfreundschaft zu danken.

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts konnte der damalige Präsident Uruguays, José Batlle y Ordóñez, den Deutschen Dr. Albert Boerger für wissenschaftliche Untersuchungen über genetische Entwicklung gewinnen, daraus entstand letzten Endes das heutige uruguayische Institut für Agrarforschung, das sich zu einer der bedeutenden Forschungsstätten auf diesem Gebiet entwickelt hat. Auch der aus Deutschland stammende Professor Backhaus sollte eine wichtige Rolle spielen, denn er prägte die entstehende Landwirtschaftliche Fakultät in unserem Land entscheidend mit. Alles dies waren große Fortschritte, die heute in Gestalt einer bedeutenden Wiederannäherung an Deutschland aufs Neue erscheinen. Diese äußert sich unter anderem auch darin, dass der deutsche Minister für Ernährung und Landwirtschaft, Herrn Dr. Schmidt, vergangene Woche Uruguay besucht hat.

Zu Beginn des Jahres hätten wir beinahe den Herrn Bundespräsidenten Joachim Gauck in Uruguay empfangen können, aber dieser Besuch wurde wegen des tragischen Flugzeug-Unglücks, das solch große Trauer in Deutschland und anderen Ländern verursacht hat, auf unbestimmte Zeit verschoben. Selbstverständlich warten wir nun auf den geeigneten Zeitpunkt, für den wir den offiziellen Besuch des Staatschefs der Bundesrepublik im Jahr 2016 planen können.

Der Staatspräsident Uruguays, Dr. Tabaré Vázquez, wird zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt nach Berlin kommen, und das wird eine ganz besondere Gelegenheit dafür sein, unsere strategische Beziehung aufs Neue zu bekräftigen und zu stärken. Präsident Vázquez hat betont, dass Deutschland unser wichtigster Partner in Europa ist und dass diese Bedeutung hervorgehoben werden soll.

Ich arbeite nun seit bereits drei Jahren in diesem Land, und es ist das zweite Mal, dass ich hier aufgenommen werde. Ich sehe immer mit Bewunderung, wie die Deutschen es geschafft haben, die großen Herausforderungen zu meistern, mit denen sie im Laufe der Zeit konfrontiert gewesen sind. Dieses Volk versteht es, Schwierigkeiten zu überwinden und eine bessere Zukunft aufzubauen. Bald werden die Deutschen den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung feiern, die eine wahre Zeitenwende einleitete. Wir alle haben die Veränderungen beobachten können, die in Deutschland stattgefunden haben, nicht nur die materiellen, sondern eben auch die strukturellen Veränderungen und die Veränderungen auf dem Gebiet des Wissens.

Wenn ich einigen Menschen Glauben schenken soll, die mir sagen, man höre und wisse nicht viel von Uruguay in Deutschland, dann schreibe ich das dem Umstand zu, dass wir zum Glück in den letzten Jahrzehnten keine negativen Schlagzeilen produziert haben. Im Gegenteil, wir haben nur positive Meldungen verursacht: dass wir den Anteil extremer Armut drastisch gesenkt haben, dass wir das Land mit der besten Verteilung von Reichtum in Lateinamerika sind, dass wir das niedrigste Korruptionsniveau haben, dass wir an erster Stelle beim Pro-Kopf-Einkommen stehen, dass wir das erste Land der Welt waren, das das Programm „Für jedes Kind einen Computer“ in die Tat umgesetzt hat, dazu kamen Nachrichten über die Reinheit unserer Luft, die phantastische Revolution auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien, den Umweltschutz, die Nachhaltigkeit, die grüne Wirtschaft und vieles mehr.

Damit man hier mehr über unser Land erfährt, laden wir Journalisten von deutschen Medien ein uns zu besuchen und werden im November auch den Generalinspekteur der Deutschen Welle in Uruguay zu Besuch empfangen. Aber wir stellen Ihnen auch den ersten Reiseführer in deutscher Sprache vor, der nur von Uruguay handelt. Er ist erschienen im Know-How-Verlag und sein Autor, Lars Borchert, ist heute hier anwesend.

Dieser Reiseführer steht Ihnen hier zur Verfügung.

Unsere Freundschaft bedeutet auch: Annäherung zwischen den Völkern. Wir wären keine Uruguayer, wenn wir den Fußball nicht erwähnen würden. Dazu gehört die Tatsache, dass wir schon vor der ersten Fußball-Weltmeisterschaft, die 1930 in Uruguay stattfand, bei den Olympischen Spielen von 1928 die Goldmedaille gewonnen haben. Deshalb sind wir jetzt in das Kapitel „Weimarer Republik“ des ersten deutschen Fußballmuseums aufgenommen worden, das demnächst in Dortmund eröffnet wird.

So müssen wir jetzt nur noch im Olympia-Stadion in Berlin erfolgreich sein. Immerhin hat der Uruguayer Luis Suárez zur Freude vieler seiner Fans beim Endspiel der Champions League in diesem Stadion ein Tor geschossen.

Liebe Freunde:

Uruguay gehört zu den Ländern, die einen besonders großen Beitrag zum Entstehen des Multilateralismus geleistet haben, seit den Konferenzen von Den Haag und seit der Schaffung des Völkerbunds durch den Versailler Vertrag, dem Vorläufer der Vereinten Nationen. Damals führte Uruguay den Vorsitz im Rat und in der Versammlung, und heute strebt Uruguay einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat für den Zeitraum 2016 – 2017 an. Wir tun das in der Überzeugung, dass die Führungsaufgaben in der heutigen Welt für die Lösung der drängenden Probleme die größten Anstrengungen aller Mitglieder der großen und vielfältigen Völkergemeinschaft erfordern. Wir sind das Land, das bei den friedenserhaltenden Missionen der Vereinten Nationen den höchsten Pro-Kopf-Beitrag leistet, und wir stehen in vorderster Reihe bei den Arbeiten im Rat für Menschenrechte sowie bei der Stärkung der Menschenrechte in allen Bereichen der Innenpolitik. Was insbesondere die großen Herausforderungen angeht, die auf dem Gebiet der internationalen Sicherheit bestehen, bei Entwicklungsprogrammen, bei der Umwelt, dem Klimawandel, der nachhaltigen Produktion, dem Kampf gegen Drogenhandel und Armut, um nur einige zu nennen, haben wir gezeigt, dass unser Land nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung ist. Indem wir kreative und intelligente Ansätze zum Umgang mit diesen Herausforderungen gewählt haben, konnten wir gezielt unsere Beiträge leisten.

Wir haben also genug Gründe, um Uruguay in diesen 190 Jahren seiner unabhängigen Existenz als ein stabiles, zuverlässiges Land anzusehen, in dem die Herrschaft des Rechts und die gesicherte Ausübung der Grundrechte Teil der Werte bildet. Unsere Zukunft wird darauf beruhen, dass wir das Erreichte weiter festigen, damit wir zu einem entwickelten Land werden können, das den Handel in der Welt und die logistische Verflechtung stärkt, das weltoffen ist und einen tiefen Respekt für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und für das Streben nach dem Frieden zwischen den Nationen hegt.

Der Kampf gegen die Armut ist der Leitgedanke, den Uruguay ins Zentrum seiner Sozialpolitik gesetzt hat, mit dem Ergebnis, dass 900.000 Menschen aufgehört haben, in Armut zu leben. Die Regierung des Präsidenten Vázquez hat versprochen, sich verstärkt um Neugeborene, Kinder, alte Menschen und Behinderte zu kümmern. Die Übernahme solcher Verpflichtungen ist Teil unserer Strategie zum Erreichen einer nachhaltigen Entwicklung. Daher sind wir froh, dass wir unser Engagement für die Unterprivilegierten aufs Neue bekräftigt haben.

 Ich freue mich sehr darüber, dass Sie unseren Nationalfeiertag mit uns zusammen feiern.

Vielen Dank