SEESCHLACHT AM RÍO DE LA PLATA | 75 JAHRGEDENKEN

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Von Rüdiger Nedden

75 Jahre nach dem Gefecht des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee“ vor der Küste Uruguays gegen drei britische Kreuzer, der Exeter, Ajax, Achilles, fand nun wie schon über Jahrzehnte ein Treffen in Montevideo sowie in Buenos Aires statt.

Nach unserer Reise durch Südbrasilien waren wir am 11. Dezember spät nachts im Hotel in Buenos Aires eingetroffen, um bereits am anderen Tag wiederum zu frühester Zeit mit dem Tragflügelboot nach Montevideo aufzubrechen.

Sechs Reisende aus Deutschland, zwei aus Neuseeland, ein Österreicher und eine Gruppe Speeabkömmlinge und –freunde aus Argentinien erreichten am späteren Vormittag den Hafen von Montevideo. Wie verabredet war Daniel Acosta y Lara mit dem gemieteten Bus zur Stelle, die Hotels konnten angefahren werden.

Noch am gleichen Tag fand auf dem Cementerio del Norte die Gedenkfeier für die 36 Gefallenen Speesoldaten statt, wobei uns Pastor Ihle wie schon vor 5 Jahren zur Seite stand. Der deutsche Botschafter, Herr Dr. Peters war leider terminlich anderweitig engagiert. Während damals noch Hans Eubel (nun 98 Jahre alt) seiner gefallenen Kameraden persönlich gedenken konnte, so sprach nun Rüdiger Nedden einige Sätze des Gedenkens.

Nach einem gemeinsamen späten Essen in einem italienischen Frischrestaurant an der Rambla, der 20 km langen Küstenstraße von Montevideo, ging es in den Yachtklub, wo aus Anlass der vom 13. bis 17. Dezember geplanten Gedenkfeiern in Montevideo zwei Vorträge zum Thema Schlacht, Graf Spee und Einstellung Uruguays dazu gehalten wurden. Bei dieser Gelegenheit übergaben wir an Kap. z. See Yori, dem Leiter des uruguayischen Marinemuseums das von Lukas Wirp gestiftete Gemälde „Graf Spee im Hafen von Montevideo“, welches wenig später schon seinen Platz im Marinemuseum fand.

Auch in Montevideo gibt es eine lange Nacht der Museen, so hatten wir anschließend reichlich Zeit, uns dort umzusehen, die Spee-Exponate anzuschauen und dem Spiel der Marinekapelle zu lauschen, die aus diesem Anlass aufmarschiert war. Es wurde ein langer Tag.

Auch der 13. Dezember war ausgefüllt und begann mit einer Totenehrung auf dem britischen Friedhof an der „Sailors‘ Corner“. Mit kurzen Reden des britischen Botschafters, des deutschen Dr. Peters und als Vertreter Neuseelands des dortigen Militärattachés. Dem traditionellen Trompetensolo folgte die Kranzniederlegung am Grab eines in dem Gefecht gefallenen Neuseeländers mit den ebenso traditionellen Poppy-Kränzen sowie von deutscher Seite einem Blumengebinde, das von Dr. Peters und Inge Nedden niedergelegt wurde. Auf diesem Friedhof liegen auch zwei später ihren Verletzungen erlegenen Speeleute sowie zahlreiche Deutsche mit protestantischem Glauben, die daher hier ihre letzte Ruhestätte finden.

Wenig später begann im anglikanischen Tempel der immer besonders bewegende, feierliche Gottesdienst, der vom anglikanischen Bischof, dem katholischen Erzbischof und von deutscher Seite Pastor Ihle zelebriert wurde, begleitet von Musik vom Band mit Trompetensolo durch einen schottischen Bürger Uruguays. Die Namen aller Gefallenen der Schiffe las Kapitän Yori Mann für Mann vor.

Der Höhepunkt dieses Tages war aber die Einladung zu einer Fahrt auf einem kleinen Kreuzer von Punta del Este aus hinaus auf das freie Meer zu dem Platz, an dem vor 75 Jahren der kleine Kreuzer „Uruguay“ an der Grenze der Dreimeilen-Zone den Kanonendonner des Gefechtes verfolgte, der „Admiral Graf Spee“ aber nicht das Einlaufen nach Montevideo verwehrte. Uruguay war also dabei gewesen, was wohl auch die immer besonderen Anstrengungen des kleinen Landes für das Gedenken erklärt. Es war eine lange Unternehmung, aber alle Teilnehmer waren in höchstem Maße beeindruckt und emotional bewegt, als zu Ehren aller Gefallenen ein Kranz zu Wasser gebracht wurde. Meine Frau und ich haben nicht dabei sein können, weil für den Abend in der deutschen Botschaft die Präsentation der erweiterten Neuauflage des Buches von Daniel Acosta und Federico Leicht „De Wilhelmshaven al Río de la Plata, Graf Spee“ stattfand. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und Inge musste unzählige Signaturen leisten in die aktuellen Bücher sowie in alte Veröffentlichungen wie das Buch von Rasenack, das ins Spanische übersetzte Kriegstagebuch der Spee und viele andere mehr. Die drei ehemaligen Chefs der uruguayischen Teilstreitkräfte waren anwesend wie auch selbstverständlich der Hausherr mit seiner Gattin. All dieses geschah am 13. Dezember 2014.

Ein weiterer Höhepunkt war am 14.12. die Ausfahrt zum Liegeplatz der untergegangenen Admiral Graf Spee 6 km vor dem Hafen von Montevideo. Dieser ist zur Sicherheit für die Schifffahrt durch zwei Bojen markiert. Auf einem ehemaligen Minensucher der DDR (nach 1990 an Uruguay von Deutschland verschenkt) schipperten wir mit Dr. Peters hinaus, nie zuvor war das Inge und mir vergönnt gewesen. Auch hier wurden Blumen und von unseren Neuseeländern ein Poppy-Kreuz dem braunen Wasser des La Plata übergeben, wobei so manche Träne floss. Viele Stunden waren wir dort draußen und durften beobachten, wie uruguayische Marinetaucher am tief unten liegenden Turm Anton (dem 28 cm Drillingsturm der Spee) eine vorbereitete Plakette zum Gedenken an die 75-Jahrfeier anbringen sollten. Das war ein großartiges Erlebnis, vor allem auch durch die äußerst freundliche, aufgeschlossene und interessierte Besatzung des Schiffes.

Der 15.12. brachte für die meisten einen Tag zum Erkunden der Stadt oder auch zum Ausruhen. Inge und ich fuhren mit dem deutschen Botschafter in das uruguayische Außenministerium, wo eine Zusammenkunft zum Thema Graf Spee und wohl auch zur Geschichte der Tage in Montevideo vor 75 Jahren stattfand. Auf dem Podium nahmen der britische Botschafter, Herr Dr. Peters, ein Sprecher des Außenministeriums, ein sehr alter Herr, welcher 1939 Sekretär des damaligen Außenministers Guani gewesen war, und Heinrich Dick Platz. In der Quintessenz wurden aber wohl nur die bekannten Standpunkte erneut vorgetragen.

[Es folgt die Schilderung von jenem Teil der Gedenkfeierlichkeiten, der in Buenos Aires stattfand und der mit einem langen Abendessen und angeregten Gesprächen endete. Der Autor schließt seinen Bericht mit den Worten:] Dieser besondere Tag hat uns alle in hohem Maße zufrieden gestellt, am nächsten Tag dann ging es wieder zurück in die jeweiligen Weltgegenden.