189 JAHRESTAG DER UNABHÄNGIGKEIT URUGUAYS

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Der 189. Jahrestag der Unabhängigkeit Uruguays wurde am Montag dem 25. August 2014 im Atrium der Niederlassung der Deutschen Bank Unter den Linden in Berlin begangen.

Herausragende Persönlichkeiten aus den Bereichen der Politik, der Unternehmenswelt, der Universitäten und der Religion, hier lebende Uruguayer sowie Vertreter von Kultur und diplomatischem Corps in Deutschland begleiteten die Vertreter Uruguays in diesem Land bei der genannten Feier.

Unter den Anwesenden befanden sich Botschafter Thomas Neisinger, Regionalbeauftragter für Lateinamerika und die Karibik des Auswärtigen Amtes, der gegenwärtige deutsche Botschafter in Montevideo, Dr. Peters, sowie sein Vorgänger, Botschafter König, zurzeit in Nicaragua, sowie Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Ebenso waren zugegen Vertreter der Lufthansa und anderer Bundesländer.

In seiner Ansprache, die wir hier im Folgenden wiedergeben, hob Botschafter Guani verschiedene für die Beziehungen zwischen beiden Ländern bedeutsame Aspekte hervor:

Exzellenzen!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde unseres Landes!

Es ist für mich eine große Ehre, heute zusammen mit Ihnen hier in Berlin den 189. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Uruguays zu feiern. In diesem Jahr sind die Beziehungen zwischen Uruguay und Deutschland 158 Jahre alt geworden. Aber in diesem Jahr begehen wir auch den 250. Jahrestag der Geburt von José Artigas, unserem bedeutendsten Landsmann, der es gern hatte, wenn man ihn als einfachen Bürger behandelte, ohne jeden Pomp.

In der langen Zeit unserer Beziehungen konnten wir viele Deutsche als Einwanderer in unserem Land aufnehmen. Als ihre wichtigste Habe brachten sie ihre Kultur mit, und aus diesem Impuls heraus entstand in Uruguay die erste deutsche Schule Südamerikas. Sie brachten uns auch ihr Wissen, zum Beispiel das vom Chemiker Justus Liebig entwickelte Verfahren zur Verarbeitung von Fleisch, aus dem schließlich auch das industriell erzeugte Corned Beef hervorging, ein uruguayisches Produkt, das während der großen Kriege in Europa so berühmt wurde. Es war auch ein Deutscher, nämlich der Dr. Albert Börger, der bei uns die Agrarforschung begründete, und zwar vor genau einhundert Jahren. Er gab diesen Forschungen die Qualität, die Uruguay heute zu einem agro-intelligenten Land macht und ihm weltweit große Anerkennung einträgt.

Für mein Land bedeutet „der Schutz der Umwelt und der Wasserressourcen so etwas wie ein großes Vermögen". 70 Prozent der uruguayischen Ausfuhren stammen aus der Agro-Industrie, und 58 Prozent der Industrie sind auf Landwirtschaft spezialisiert. Bei der Sicherheit und Verfügbarkeit von Lebensmitteln arbeiten wir ebenfalls eng mit Deutschland zusammen und sind, jeder für den anderen, ein strategischer Partner.

Der Markt, den Uruguay beliefert, wuchs von 7 Millionen Menschen im Jahre 2006 auf 28 Millionen 2012, und die Zahlen gehen weiter in die Höhe. Wir sind als Herkunftsland „zuverlässig und vertrauenswürdig bei Qualität und Lieferung unserer Lebensmittel, und das allein ist schon ein Mehrwert".

„Eben deshalb ist der Schutz der Umwelt und des Bodens ein nationaler Vermögenswert". Wir verwenden für unser Land als Markenzeichen den Ausdruck „Uruguay Natural". Mit anderen Worten: wir verpacken Natur und verkaufen Vertrauenswürdigkeit.

Wir sind sehr in Sorge wegen der Folgen des Klimawandels, denn die Produktion in unserem Land geschieht ja „an der frischen Luft", alles hängt davon ab, wieviel es geregnet hat, wieviel Wind und Sonne es gab, und deshalb „hängt unser Leben davon ab, dass wir uns an den Klimawandel anpassen".

Seit 2006 arbeiten wir, zusammen mit Deutschland, an großen Projekten zur Änderung unseres Energiemixes. Wir möchten unsere Wärmekraftwerke auf Kombibetrieb und Gas umstellen; dabei soll eine hochmoderne Anlage zur Rückverwandlung von flüssigem Erdgas in den gasförmigen Zustand helfen, aber auch die Wind- und Sonnenenergie.

Durch alle diese Dinge werden wir zu einem Pionierland bei der Einführung von erneuerbaren Energien.

Uruguay steckt derzeit 3,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in die Energieerzeugung, und es ist das Land in Lateinamerika mit dem höchsten Anteil von Windenergie. Anstatt ein Land zu bleiben, das alle seine Energie einführen musste, fangen wir jetzt an, Energie auszuführen. Das stellt eine außerordentliche Veränderung dar.

Ich habe schon gesagt, dass es für mich eine besondere Bedeutung hat, diesen Tag zusammen mit Ihnen begehen zu können. Ich hatte das Glück, Geschichte selbst zu erleben und in dieser Stadt, in Ostberlin, zu wohnen, als es noch Hauptstadt der DDR war und ich habe die Veränderungen gesehen, die hier vom deutschen Volk vollbracht worden sind.

Ich war zugegen, als die ersten Schritte zur Wiedervereinigung getan wurden und konnte sogar mit meinen eigenen Händen ein Stück aus der Mauer lösen, die die Deutschen in Ost und West voneinander getrennt hatten. Ja, das war vor 25 Jahren. Wie Herr Bundespräsident Gauck gesagt hat, haben wir jetzt das beste Deutschland, das es je gab.

Und in unseren gegenseitigen Beziehungen haben wir mit Befriedigung vermerken können, dass Staatspräsident José Mujica bei seinem offiziellen Besuch im Oktober 2011 relevante Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel führen konnte. Außenminister Luis Almagro und Landwirtschaftsminister Aguerre haben unabhängig voneinander ebenfalls Deutschland besucht. Viel liegt noch vor uns, um diese lange und für beide Seiten fruchtbare Freundschaft zu vertiefen und wir sind dabei, vorausschauende Maßnahmen zu verabreden.

Als Vertreter des Landes, das die erste Fußballweltmeisterschaft von 1930 gewonnen hat, kann ich nicht umhin, Deutschland für den Sieg bei der Weltmeisterschaft 2014 zu gratulieren, einen Sieg, der an keiner geringeren Stelle errungen wurde, als im legendären Maracaná-Stadion von Rio de Janeiro.

Liebe Freunde,

Zum Schluss möchte ich all jenen meinen Dank aussprechen, die ihre Anerkennung für die sozialen Fortschritte, die Erfolge bei der Verringerung der Armut und der Eingliederung vieler vorher marginalisierter Menschen zum Ausdruck gebracht haben, die Uruguay vollbringt, mit Wirtschaftswachstum und realer Umverteilung des Reichtums, auf seinem Weg, zu einem entwickelten Land zu werden. Wir befinden uns auf vordersten Plätzen bei der Qualität von Luft und Wasser, bei der Einführung von E-Government, der Produktion von Software und der elektronischen Demokratisierung, mit der höchsten Geschwindigkeit bei der Datenübermittlung in der Region.

Wir sind ein kleines Land, aber dasjenige mit der geringsten sozialen Ungleichheit in unserer Region. Die Demokratie ist fest in unserem Land verankert und Korruption ist nicht Teil unserer Realität.

Vielen Dank!