WINDENERGIE IN ARGENTINIEN, PARAGUAY UND URUGUAY

erneuerbareenergieAn erster Stelle möchte ich dem Leiter des Kompetenzzentrums Umwelt und Erneuerbare Energien für Uruguay, Argentinien und Paraguay.

Herrn Tobias Winter, dafür danken, dass ich hier bei der Eröffnung dieses wichtigen Treffens in Berlin einige Worte an Sie richten kann. Ganz wichtig ist, dass wir auf diesem Forum auch unseren Nationalen Direktor für Energie, Herrn Ramon Mendez, ganz herzlich begrüßen können. Herr Mendez ist einer der Architekten der erneuerbaren Energien in meinem Land.

Diese Veranstaltung ist mit dem Beratungsunternehmen Enviacon und dem deutschen Ministerium für Wirtschaft und Energie organisiert worden. Gewiss werden wir hier zu interessanten Schlussfolgerungen bezüglich der Fortschritte gelangen, die in Uruguay, Argentinien und Paraguay auf dem Gebiet der Windenergie erzielt worden sind.

Seit 2008 verfolgt Uruguay eine Energiepolitik, deren Horizont bis 2030 reicht. Bei ihrer Realisierung sind bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt worden. Diese betreffen vor allem die Nutzung erneuerbarer und sauberer Energien aus dem eigenen Land.

Uruguay hat eine verantwortliche und ehrgeizige Energiewende in Angriff genommen. Dabei sind nicht nur die Investitionen in grüne Energien eine positive Entwicklung, sondern wir verfolgen auch das Ziel, die Stromtarife für die Verbraucher zu senken. Wir verwenden weniger fossile Energieträger und verändern dadurch sehr stark unseren Energiemix, so dass wir sogar die Ergebnisse entwickelter Länder übertreffen.

Das uruguayische Ministerium für Industrie, Energie und Bergbau plant für das Jahr 2014 einen Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Energien an der Energieproduktion insgesamt und einen Anteil von 90 Prozent an der Stromerzeugung. Wir verfolgen damit mehrere Ziele: eine Stärkung der nationalen Souveränität, die Verminderung der Abhängigkeit von importiertem Erdöl und, wie bereits erwähnt, die Senkung der Stromkosten.

Für das erste Halbjahr 2014 plant Uruguay einen Anstieg bei der Stromerzeugung durch Windkraft. Dieses Ziel wird durch die Fertigstellung verschiedener Projekte erreicht, die gegenwärtig von der Regierung über die Nationale Energie-Direktion realisiert werden.

Im Jahr 2015 wird Uruguay dank der Fertigstellung mehrerer gegenwärtig im Bau befindlicher Vorhaben über mehr als tausend Megawatt installierte Windkraft-Kapazität verfügen, daher kommen dann etwa 30 Prozent des Stroms im Lande von Windgeneratoren.

Von April bis Juni 2014 gehen sieben Windparks mit einer installierten Kapazität von 340 Megawatt (MW) ans Netz. Dazu gehören die Parks der Unternehmen Polesine (im uruguayischen Bezirk Florida, 50 MW), Gemsa (in Lavalleja, 42 MW), Luz de Río (in Florida und Flores, 50 MW), Luz de Mar (in Florida, 18 MW) und Luz de Loma (Florida, 20 MW). Sie kommen zu den bereits bestehenden 59 MW und zu den 100 MW der Windparks von Peralta und Maldonado hinzu.

Diese ganze Revolution im Energiebereich hat erst vor kurzem begonnen. Die ersten Projekte entstanden noch zu Forschungszwecken und wurden von der Fakultät für Ingenieurwesen entwickelt. Seit 2008 sind die ersten großen kommerziellen Vorhaben in Betrieb, die teils von Privatunternehmen (Nuevo Manantial in Rocha und Kentilux in San José), teils vom staatlichen Energieversorger UTE initiiert wurden, wie der Parque Ing. Emanuelle Cambilargiu sowie Caracoles I und II in Maldonado.

Eben deshalb, um die erneuerbaren Energien voranzubringen, hat die Nationale Energie-Direktion seit sechs Jahren eine Reihe Forschungen durchgeführt und Gesetze vorbereitet. Zum Beispiel wurde eine Windkarte Uruguays erstellt, die dafür genutzt wird, Investitionen an die richtigen Stellen zu lenken.

Die Logistik für diese Windparks ist eine der größten Herausforderungen, denn sie bauchen eine koordinierte Versorgungskette. Die Windgeneratoren müssen von den Fabriken zu ihren Standorten transportiert werden. Die Teile sind aber sehr groß und schwer. Daher arbeitet seit 2013 eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Behörden an dieser Aufgabe. An dieser Gruppe sind beteiligt: die Nationale Hafenverwaltung, die Nationale Zollverwaltung und das Ministerium für Transport und öffentliche Bauten. Die Nationale Energie-Direktion leitet die Arbeitsgruppe.

60 Prozent der als Sonderfracht klassifizierten Transporte in Uruguay gehören zu den Fahrten, die mit der Errichtung von Windparks zusammenhängen.

Diese Entwicklung setzt die Schaffung lokaler Kapazitäten voraus, da die uruguayischen Komponenten im Durchschnitt einen Anteil von rund 30 Prozent an den vergebenen Projekten haben. Dazu gehören die Entwicklung und der Transport von Komponenten, die Bauarbeiten, die Installation und die Herstellung von Teilen.

Während in Deutschland die Energiewende zu einem großen Teil aus dem Bedürfnis entstand, die Atomenergie zu ersetzen, konnten wir bei der Einführung der erneuerbaren Energien immer wieder feststellen, dass die starken Winde und die Kraft der Sonnenstrahlung in unseren Ländern die Effizienz der Energiegewinnung steigern und uns anstatt zu höheren Kosten zu einer optimalen Leistung führen.

Uruguay hat einen Weg eingeschlagen, bei dem die Entwicklung des Energiesektors in der Region ein günstiges Umfeld für die Zusammenarbeit schafft und wo im Bereich der erneuerbaren Energien sogar Projekte entstehen können, die von zwei Staaten gemeinsam betrieben werden. Außerdem ergreifen wir Maßnahmen für eine verbesserte Ausbildung, denn nächstes Jahr wird die Technologische Universität von Uruguay den Studiengang Erneuerbare Energien einführen.

Für diesen gesamten technologischen Aufbau und vor allem bei der Wissensaneignung kommt Deutschland die Rolle eines erstrangigen strategischen Partners zu. Die Nutzung der Energie dient uns zur Beschleunigung unseres Wachstums und zur Aufhebung unserer Abhängigkeit. Dies ist eine Zusammenarbeit zur Hebung des Wohlstands unserer Völker. Für Uruguay geht es darum, die Eigenschaft eines abhängigen Landes abzustreifen und stattdessen zu einem Nettoexporteur von Energie zu werden, mit all der Verantwortung, die dies mit sich bringt.

Aufgrund der vielversprechenden Fortschritte und der bedeutenden Rolle der erneuerbaren Energien in Uruguay, vor allem der Windkraft, freue ich mich sehr, hier bei Ihnen sein zu dürfen und wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!